Laudatoren: Dr. Joachim Allgaier *, Richard Pils
Ausstellung „Zwei Leben“, Eisenberger Kulturfabrik Gmünd, ab 23. Juni 2018.
„Die meisten Menschen haben nur ein Leben in der alltäglich gewordenen Wettbewerbsgesellschaft. Das eine nämlich, das sich ständig aufs Neue bewähren ja oft sogar immer wieder neu erfinden muss. Die meisten Besucherinnen und Besucher von Veranstaltungen dieser Art haben jedoch noch ein zweites Leben, und das ist jenes, das längst über das Gewissen hinaus erkannt hat, dass jede private und berufliche Tätigkeit ein Stück unserer Umwelt, also unserer Metaphysis zum Leben zerstört und man als Individuum im Kollektiv betrachtet kaum die Möglichkeit hat, dagegen etwas im ersten Leben zu unternehmen, auszugleichen oder zu unterlassen.
Amphibien, sind im Tierreich eine systematische Ordnung, die salopp betrachtet ein Wasser- und ein Landleben, also, wie die BesucherInnen dieser Ausstellung, auch zwei unterschiedliche Lebensausrichtungen haben. Sie benötigen förmlich beide Medien, man könnte auch sagen Lebenswelten, in ihrer Existenz. Ihre Ansprüche an die Umwelt sind daher relativ komplex, und sie eignen sich genau deshalb zur Indikation von funktionierenden versus naturfernen Lebensräumen. Sie stehen schon Jahrzehnte lang obenauf auf der so genannten Roten Liste gefährdeter Arten. Alle jene von uns hier, die im eingangs erwähnten zweiten Leben ein wenig innehalten, werden nun vielleicht konsterniert erkennen, dass wir ja inzwischen auch zu einer gefährdeten Art geworden sind und uns somit in einer prekären Gesellschaft bei den Amphibien auf den Roten Listen befinden.
Die Schau wird nicht viel ändern. Es wird alles fast so weiter laufen wie gehabt. Aber das alleine ist schon was.“
Text von Dr. Bernhard Seidel (2018)







„Bei Bernhard Seidel handelt es sich um ein Ausnahmetalent, das ausgezeichnet versteht, wissenschaftliche und gesellschaftlich relevante Fragestellungen produktiv mit künstlerischer Kreativität und aktivistischer Leidenschaft zu verschmelzen. Die dabei entstehenden Werke sind einzigartig in ihrer Wirkung, da sie gleichzeitig ästhetisch ansprechend sind, und durch wissenschaftliche Fundiertheit zum Nachdenken anregen. Bernhard Seidel ist einer der wenigen, international betrachtet, der die wissenschaftliche Expertise sowie auch das künstlerische Talent und die Fertigkeit besitzt, um kompetent und anregend zugleich Wissenschaft, Kunst und Unterhaltung zusammen bringen zu können. Er erweist somit der Wissenschaft und der Kunst zugleich einen Dienst.“ – Zitat aus 2018 von Dr. Joachim Allgaier*, Kultur-wissenschafter.
Seidel, B. – From “Frog in Space“ to “Austrian Frog Concert”: Ecology (Science) and Activism. At: *Allgaier. J. (2015). Science, Research and Popular Culture. Keynote Lecture. Intern. Conference EEAST, AA-Universität Klagenfurt & Brunel University London.